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Munderkinger Persönlichkeiten
 
Abt Konrad Kneer (1592 - 1660)

Abt Konrad KneerKonrad Kneer steht stellvertretend für eine ganze Reihe von Munderkingern, die im Dienst der katholischen Kirche Karriere machten. Mit 15 Jahren wurde Kneer in die Schule des Klosters Obermarchtal aufgenommen und trat dem Orden der Prämonstratenser bei. In den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs erhielt er vom Kloster den Auftrag, die von den Protestanten zurückeroberte Pfarrei Adelberg zu betreuen. Inmitten eines evangelischen und feindlich gesinnten Umfeldes war dies eine höchst schwierige Aufgabe. 1632 kehrte er unter schwierigsten Bedingungen nach Obermarchtal zurück. Er überwachte dort die durch die Flucht des Konvents leerstehenden Klostergebäude. Zwei Jahre lang war er unter den Bedrückungen der fortwährenden Truppendurchzüge allein für den Gebäudekomplex zuständig. Nach der Rückkehr des Konvents 1634 übernahm Kneer die Pfarrei Ammern bei Tübingen, wo er gleichfalls schwer unter den Kriegsfolgen litt und mehrmals körperlich misshandelt wurde. 1637 wählte ihn der Marchtaler Konvent zum Abt des Klosters.

Nach weiteren 11 Jahren Krieg erlebte Kneer noch den Frieden von Münster und Osnabrück 1648, nach dem er den Wiederaufbau des Klosters und der dem Kloster gehörigen Gebiete einleitete.

Das Kloster Obermarchtal maß Konrad Kneer nach seinem Tod 1660 geradezu den Status eines Schutzheiligen bei. Eine offizielle Heiligsprechung gelang jedoch nicht. Das Kloster hat Kneer mit zahlreichen Bildern geehrt. Sebastian Sailer widmete 1771 seine Schrift "Das jubilierende Marchtal" zur Hälfte dem Abt Kneer.
 

Karl Borromäus Weitzmann (1767 - 1828)

Karl Borromäus WeitzmannDer Sohn eines preußischen Offiziers, den der Siebenjährige Krieg nach Munderkingen verschlagen hatte, wurde zu einem der Ahnväter der schwäbischen Dialektdichtung. Über seine Dichtungen können mittlerweile auch die Munderkinger lachen, obwohl sie darin nicht immer gut wegkommen waren, doch die Engherzigkeit und die kleinen Verhältnisse der Stadt ein gefundenes Fressen für den Dichter.

Schon in seinen ersten Schuljahren zeigte sich sein dichterisches Talent. Auch später, während einer Zeit auf dem Gymnasium Ehingen und Konstanz, erfreuten sich seine Mitschüler an seinen meist lustigen Gedichten. Nach seiner Gymnasiumszeit studierte Weitzmann in Wien. Einige Jahre nach seinem Studium zog es ihn aber wieder in seine schwäbische Heimat zurück. Er erhielt in Ehingen eine Stelle als Rechtsanwalt. Hier blieb Weitzmann dann mit seiner Familie bis zu seinem Tode im Jahre 1828.

Weitzmann war in Munderkingen nicht immer beliebt, weil er sich in seinen schwäbischen Mundartgedichten oft über die Munderkinger lustig machte. Sein bekanntestes Gedicht ist das Belagerungslied. Es wird jedes Jahr an der Fasnet gesungen:

Belagerungslied

Der Ausfall der Munderkinger im Jahre 1798

Auf, auf, ihr Burger, stauhd ins Gewehr!
D'Franzosa rucket ei,
Se breachet scho wie's Muather Heer
Beim Kuglaweth det rei.
Ihr Burger, fasset Muth und List,
Sonst goht es hinterfür,
Verkloibet's Thoar mit Dreck und Mist,
Und theand da Riegel für!

Der Burgamoister muß vora,
Potz Stearamordio!
Er hot en geala Kittel a
Und Fransa amSchappo!
Und hinter deam wohlweise Roth
Der Dianer von der Stadt,
Weil ear da g'wihta Säbel hot Vom graußa Goliath.

Was d'Weiber sind, dia sitzet jetz
Uf d'Rothhaus-Miste na,
Statt ihrem G'schroi und Lumpag'schwätz
Beat jeda für da Ma.
Und fällt a Bommakugel gau
Uf euser Städtle ra,
So schreiet nur reacht Fuiriau,
Und br..... drüber na.
.........

Mit seinen Gedichten wollte Weitzmann die Menschen unterhalten und zum Lachen bringen. Er wollte aber auch das Volk mit Witz über die verschiedenen Ereignisse und Persönlichkeiten aufklären.
 

Heute erinnert uns an Weitzmann in Munderkingen noch:

- ein Schulgebäude (Haupt und Förderschule)
- eine Straße (die Weitzmannstraße)
- das Geburtshaus (das Gasthaus zum "Hirsch")
- das Grab der Mutter (an der Mauerinnenseite des Friedhofs neben dem Eingang gegenüber "Seif" und "Rößle")
- das Belagerungslied (zur Fasnetszeit)
- der Weitzmann-Geist (süßer Likör, leider vergriffen)
- eine Gedenktafel (am Schlössle)
 
Literaturhinweis: "Karl Borromäus Weitzmann`s - Gesamtwerk" siehe "Kontakt > Bücher"
 

Karl Josef von Schmid (1832 - 1893)

Karl Josef von SchmidDer als »Löwe von Munderkingen« gefürchtete Schmid schlug nicht die gesellschaftlich vorgegebene Laufbahn eines Priesters in der katholischen Kirche ein, sondern machte als Rechtsanwalt und Politiker Karriere. Nach dem Abbruch des Theologiestudiums wechselte er zur Rechtswissenschaft und wurde 1861 Stadtschultheiß von Munderkingen. Seit 1868 vertrat er das Oberamt Ehingen im Landtag und seit 1871 auch im Reichstag. 1873 ging er in das württembergische Finanzministerium, wo er zum Beauftragten beim Bundestag in Berlin berufen wurde. Der mit König Karl eng verbundene Schmid erlangte schließlich 1887 das Amt des Innenministers.

Seiner Tätigkeit waren der Anschluss an die Donautalbahn (1870), der Bau des ehem. städtischen Krankenhauses (1890) sowie der Bau einer modernen Donaubrücke (1893) zu verdanken.